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Pressemitteilung
Universitätsklinikum Heidelberg
15. September 03
Weniger Hautschäden
durch Dauerwellen und Latexallergien
Schutzmaßnahmen,
Schulungen und Frühwarnsystem zeigen Wirkung /
Arbeitsgemeinschaft für Berufs- und Umweltdermatologie tagte
in Heidelberg
Hauterkrankungen
sind die häufigste Berufskrankheit in Deutschland; sie machen
etwa ein Drittel aller beruflich bedingten Erkrankungen aus.
Rund 20.000 Verdachtsfälle werden jährlich gemeldet, doch
Experten schätzen die Dunkelziffer um fünfzig- bis
hundertfach höher. Durch gezielte Vorbeugemaßnahmen und
Schulungen konnten in den letzten Jahren jedoch erhebliche
Erfolge erzielt werden: Die Zahl der "Berufsdermatosen"
ist in einigen Bereichen drastisch zurückgegangen,
insbesondere bei Friseuren und bei Latexallergien im
medizinisch-pflegerischen Bereich. Hier ist es weitgehend
gelungen, Schadstoffe durch nicht irritierende Substanzen zu
ersetzen.
"Diese
Beispiele zeigen: Prävention kann erfolgreich sein und sich
finanziell lohnen, da wesentlich weniger Behandlungen und
Umschulungen erforderlich sind," erklärte Prof. Dr.
Thomas Diepgen, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische
Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie des Universitätsklinikums
Heidelberg. Anders dagegen in der Bauindustrie: Dort ist nach
wie vor das stark irritierende Kaliumdichromat, das zu
schweren Hauterkrankungen führen kann, in Baustoffen
enthalten. Bei der 7. Tagung der Arbeitsgemeinschaft für
Berufs- und Umweltdermatologie, die vom 11. bis 13. September
in Heidelberg stattfand, diskutierten rund 300 Experten neue Möglichkeiten
zum Schutz vor Berufskrankheiten der Haut.
"Noch vor
wenigen Jahren litten etwa sechs Prozent aller Friseure an
einer berufsbedingten Hauterkrankung" berichtete Prof.
Diepgen. Die Berufsdermatologen konnten eine wichtige Ursache
identifizieren, das Glycerylmonothioglykolat, das für saure
Dauerwellen verwendet wurde und mittlerweile aus dem Verkehr
gezogen worden ist. Nach wie vor sind jedoch Friseure
besonders gefährdet, denn ihr ständiger Kontakt mit Wasser
und zahlreichen Zusatzstoffen schwächt die Widerstandsfähigkeit
der Haut und macht sie besonders anfällig für allergische
Reaktionen.
Wer ständig
mit feuchten Stoffen arbeitet, ist stark gefährdet
"Generell
sind alle Berufsgruppen gefährdet, die ständig mit feuchten
Stoffen arbeiten", erklärte Professor Diepgen. Dazu gehören
neben den Friseuren vor allem Bäcker, Galvaniseure,
Floristen, Fliesenleger, Maler, Metall- und Oberflächenbearbeiter
und Köche sowie mit steigendem Trend Beschäftigte in der
Kranken- und Altenpflege. Fast immer sind Hände, mitunter
auch die Unterarme betroffen. Meist handelt es sich bei der
Berufsdermatose um ein irritatives Kontaktekzem, seltener um
andere Ekzemtypen, Infektionen oder bösartige Tumore. Die
Erkrankung tritt in der Regel wenige Jahre nach Eintritt ins
Berufsleben auf. Für die Betroffenen bedeutet nicht dies
nicht nur den drohenden Verlust des Arbeitsplatzes, möglicherweise
sind sie nicht mehr in der Lage, ihren gerade erlernten Beruf
auszuüben.
Dies soll jedoch
mit Hilfe der Unterstützung der Berufsgenossenschaft (BG)
vermieden werden. "Wir tun alles medizinisch Mögliche
dafür, dass der Betroffene seinen Beruf behalten oder nach
einer Umschulung in einem anderen Beruf tätig werden
kann", erklärte Otto Blome, Leiter des Referats
Berufskrankheiten beim Hauptverband der
Berufsgenossenschaften, Sankt Augustin. Die BG arbeitet mit
einem Netzwerk von Berufsdermatologen und Arbeitsmedizinern
zusammen. Mit Hauttestungen gegen Allergene und Untersuchungen
am Arbeitsplatz wird der auslösende Stoff dingfest gemacht
und, sofern möglich, aus dem Produktionsprozess entfernt,
oder es werden Schutzmaßnahmen wie Handschuhe oder eine
besondere Hautbehandlung ergriffen.
Studienergebnis:
Wer Schulungen mitmacht, hat weniger Beschwerden
Wichtige zusätzliche
Maßnahme ist die Schulung des Betroffenen. Er soll lernen,
sich vor dem auslösenden Stoff zu schützen und durch Pflege
die Widerstandskraft seiner Haut zu erhöhen. "Schulungen
verbessern die Behandlungsergebnisse bei hautkranken
Patienten", erklärt Prof. Diepgen. "Wir konnten in
einer Studie zeigen, dass geschulte Neurodermitis-Kranke
weniger Beschwerden als ungeschulte Patienten haben."
Zum Erfolg der
Berufsdermatologen hat in den vergangenen Jahren auch die Einführung
eines Frühwarnsystems geführt. Zunehmend werden Verdachtsfälle
von Berufsdermatosen in einem frühen Stadium an die
Berufsgenossenschaft gemeldet. Die Hautärzte können anhand
spezifischer Tests feststellen, ob eine Anfälligkeit vorliegt
und welche Stoffe Auslöser sind. So lässt sich anhand ihrer
gestiegenen Wasserabgabe feststellen, ob Hautbereiche bereits
geschädigt sind. Dann können rechtzeitig Schutzmaßnahmen
eingeleitet werden.
Weitere
Informationen im Internet:
http://www.dermis.net
Die Abteilung
Klinische Sozialmedizin, Berufs- und Umweltdermatologie des
Universitätsklinikums Heidelberg hat unter www.dermis.net ein
umfangreiches Informations- und Schulungsprogramm zu
Hauterkrankungen entwickelt. Sie führt regelmäßige
Schulungen zur Prävention von Berufsdermatosen durch.
Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Diepgen 06221 / 56 8750
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